|
Bernie
Bernie war der Kleinste. Eigentlich war er viel zu jung für uns, da er aber auf unserer Straße wohnte, durfte er auch mit uns zusammen sein. Darauf war er immer mächtig stolz und wenn wir "Großen" zusammen waren, hing er an unseren Lippen. Hin und wieder musste er allerdings unter uns leiden, dann lief er meistens weinend davon. Da er uns aber nicht verpetzte, durfte er wiederkommen.
Einmal saßen wir, wie so oft, auf dem Grundstück vom Moppfabrikanten im Kreis zusammen. Bernie war auch dabei. Ich weiß heute nicht mehr, wer von der Gruppe auf die Idee kam, aber auf jeden Fall wurde Bernie versprochen, wenn er die Augen schließen und den Mund weit öffnen würde, er etwas "Gutes" erleben würde. Gläubig tat Bernie das, was wir von ihm wollten, weil er uns vertraute. Einer hatte ein Bonbon in der Tasche, steckte es ihm in den Mund, und der Kleine war ganz glücklich. Sicher bin ich nicht mehr, aber vielleicht war ich es selbst, der dem Jungen mit schweigender Zustimmung aller Beteiligten, beim zweiten Versuch einen großen dreckigen Regenwurm in den Mund steckte! Er bemerkte unser böses Spiel zuerst gar nicht, wir mussten mit ansehen, wie sich der Wurm zwischen seinen Zähnen schlängelte. Uns wurde richtig schlecht. Bernie lief schreiend weg. Wir hatten natürlich große Angst, dass er das jetzt seiner Mutter sagen würde.
Nach einigen Tagen, wir hatten nichts gehört, wurde uns klar, dass Bernie erneut "dichtgehalten" hatte. Er wurde mit offenen Armen wieder bei uns aufgenommen.
|
 |