Der Vohwinkel Fuchs
Schloß Lüntenbeck Schwebebahn in Vohwinkel 1923 Rathaus Vohwinkel 1912 Kaiserplatz in Vohwinkel 1929 Neuer Bahnhof Vohwinkel 1909 Schöller 1928

Ortsnamen in Vohwinkel

Gruss aus Vohwinkel auf einer Postkarte um 1897

Ein Gruss aus Vohwinkel auf einer Postkarte von 1897 (Ausschnitt).

Die Herkunft des Namens Vohwinkel ist nicht eindeutig.

 



Der Name Vohwinkel

Der Name "Vohwinkel" muß uns zunächst beschäftigen. Leider haben sich nur einige ältere Namensformen erhalten, so daß eine unzweifelhafte Deutung des Namens kaum möglich sein dürfte.

Im Jahre 1312 heißt der Ort vouinkel. Die Verkaufsurkunde von 1356 enthält den Namen vowynkele. In der Stiftungsurkunde von 1482 lesen wir seltsamerweise fowinckele, offenbar ein Schreibfehler, den eine im Düsseldorfer Staatsarchiv befindliche Abschrift verbessert, indem sie richtiger fowinckell schreibt. Bei der Pächterurkunde von 1488 verdient Beachtung, daß es einmal heißt to vowinkele und ein ander Mal up deme vowinkele. Die Kirchenrechnung von 1636 hat die Schreibart vohwinckel oder 1665 fowinckell. Der Landmesser H. Ph. Ploennies vermerkt fuwinckel auf seiner Karte, "das Ambt Solingen um 1715". Auf der topographischen Landkarte von dem Herzogtum Berg von Wiebeking, churpfälzischem Wasserbaumeister, aus den Jahren 1789 - 1790 ist furwinkel gedruckt. Die Kirchenrechnung von 1838 bringt wieder den Namen vohwinckel, bei dem die späteren Jahre die kleine Änderung in vohwinkel vorgenommen haben. In letzter Zeit ist einmal die Frage aufgeworfen und zwar nicht mit Unrecht, warum wir nicht vowinkel schreiben wollen.

Halten wir uns bei der folgenden Betrachtung zunächst an das Jahr 1312 und den Namen vouinkel. Das Bestimmungswort vo wird mit dem mnd vô-Füchsin zusammenhängen, es kann aber auch eine Abkürzung aus dem nd vos-Fuchs sein. Zu dem Grundwort winkel läßt sich Leithaeuser, Bergische Ortsnamen, mit folgenden Worten aus: "winkel bezeichnet ursprünglich eine Krümmung oder vielmehr nach Henne den einen Knick oder eine Krümmung bildenden Raum und soll zunächst Bauausdruck für die Ecke gewesen sein, die zwei gegeneinander stehende Wände oder Mauern bildeten. Geographisch bezeichnet es das Zusammenstoßen von zwei Flußläufen, ähnlich wie Ort, oder von zwei Tälern. Der Begriff des entlegenen Seitentales ist dem Wort schon früh eigen, denn in einer Urkunde vom Jahre 1358 heißt es, potestas una in nemore dicto wynkel (d.h. eine in einem Gehölz, winkel genannt, gegebene Gelegenheit). In der Schweiz bedeutet es eine von Bergen oder Hügeln eingeschlossene Talgegend."

Ehe wir diese allgemeinen Sätze auf Vohwinkel anzuwenden suchen, müssen wir uns vergegenwärtigen, daß der Name ursprünglich nur einem bescheidenen Gehöft angehörte und später auf den Ort überging. Von Gewässern, Flußläufen ist bei Vohwinkel keine Rede. Ebensowenig kann - das verwehrt das Bestimmungswort - von einem Bauausdruck die Rede sein. Wohl aber könnte die Auffassung, Vohwinkel liege in einem Seitentale des Wuppertales, begründet werden, namentlich mit Rücksicht auf eine Zeit, wo die Landstraße noch nicht die Terrainverhältnisse bei der Abzweigung dieses Tales vom Wuppertale da, wo sich das scharfe Wupperknie befindet, so verwischte wie heute. Auch paßte noch das hierhin, daß Vohwinkel in seiner flachen Talmulde von Hügeln, die mit Wald bedeckt sind, eingeschlossen ist. So dürfen wir "Vohwinkel" unbedingt als eine Talgegend seitlich vom Wuppertale ansprechen, in der einst der Fuchs besonders stark heimisch war. Wir finden dies Ergebnis bestätigt, wenn wir wenige hundert Meter östlich von Vohwinkel bei Sonnborn auch einen Dachs (das) -winkel, südlich einen das-nöckel (Hügel) und nördlich einen has-nacken und in weiterer Entfernung einen Meiswinkel bei Düssel, einen Falkenberg ( T R 1. und 10. März) und noch weiter nach Norden einen krah Krähen) -winkel vorfinden, siehe im Südosten Kronenberg. Je nachdem eben dies oder jenes Tier besonders zahlreich da hauste, erhielt wahrscheinlich der Ort (winkel) seine Bezeichnung.




Text aus:
Geschichte der Stadt Vohwinkel
Herausgegeben im Auftrag der Stadtverwaltung von Schulrat Ziegler
Städtischer Verlag
Buchdruckerei Hüster & Vogel, Vohwinkel
Vohwinkel, August 1929


 

Nicht alle glauben an Füchse

In dem Buch "Vohwinkel Vergangenheit und Gegenwart" schrieb Herrmann Kiessling im Jahr 1974:

Unser Raum verdankt seinen Namen einem anläßlich des Eisenbahnbaus untergegangenen Bauernhof Vohwinkel, dessen Hofesgebäude mit großer Wahrscheinlichkeit an der Westseite des jetzigen Lienhardplatzes lagen.

Die frühere Deutung des Namens mit 'Fuchswinkel' ist nicht haltbar, Vohwinkel ist vielmehr mit 'vor dem Winkel' zu deuten, d.h. der Hof lag vor dem Winkel, der sich aus der nach Norden, Westen und Süden ansteigenden Geländeformation ergab.

 

 

Pragmatische Deutung

Der Bürgerverein Vohwinkel hat in seiner aktuellen Selbstdarstellung eine pragmatische Deutung gefunden:

Bei der Namensgebung für den mit dem Bürgerverein Vohwinkel e.V. so lebendigen Stadtteil im Westen Wuppertals soll der "Fuchs" eine bedeutende Rolle gespielt haben. Aus "Voß" (Fuchs) soll nach der erstmaligen Erwähnung des Ortes im Jahr 1312 "Vouinkel", "Vowynkele" und schließlich "Vohwinkel" entstanden sein. Wir glauben es gern, weil uns der "schlaue" Fuchs so sympatisch ist.


 



Siedlungsstätten

Ehe wir zur Darstellung der Geschichte des Gehöftes Vohwinkel übergehen, ziemt es sich, auf andere   S i e d l u n g s s t ä t t e n   hinzuweisen, die eine weit höhere geschichtliche Bedeutung erreicht haben, als der Hof Vohwinkel. Nur ein Umstand unterscheidet sie von ihm: dieser Hof gab später einem aufblühenden Gemeinwesen den Namen.

Schon 1200 wird Lüntenbeck bekannt als ein Hof, der den Abtissinnen zu Gerresheim (vor 873 gestiftet) als Erbpachtgut zugehörte. Crutsede (Krutscheid), ein freier Hof, wird 1218 erwähnt, ein anderer ist Steinberg, ein dritter Schickenberg. Dieselbe Jahreszahl 1312 wie vouinkel hat Grotenbeke, östlich nach Sonnborn zu gelegen am großen Bach. In einer Urkunde von 1409 taucht das Geschlecht der Freiherren von Hammerstein auf seinem Rittersitz an der Wupper bei Sonnborn auf. In Verbindung mit Hammerstein darf Stakenberg 1453 nicht vergessen werden. 1505 gibt Kunde vom Siemonshaus, insofern als ein Heinrich Myrcker von Wülfrath dem Nonnenkloster Gräfrath eine Rente aus Siemonshaus in Höhe von 10 Gulden zur Stiftung eines Seelengedächtnisses überträgt. In dem Haus der Witwe Faust zu Saurenhaus ist auf einem alten Wandschrank die Zahl 1727 zu lesen, während in einem Eichenbalken über der Haustür das Jahr 1766 eingegraben ist. Es sei noch auf die Jahreszahlen 1735 im alten Haus Lieder am Rottscheidt im Loch und 1738 als Hausinschrift in Nathrath hingewiesen. Daß das Osterholz bis in die heidnische Vorväterzeit zurückführt, werde abschließend erwähnt.




Text aus:
Geschichte der Stadt Vohwinkel
Herausgegeben im Auftrag der Stadtverwaltung von Schulrat Ziegler
Städtischer Verlag
Buchdruckerei Hüster & Vogel, Vohwinkel
Vohwinkel, August 1929


Musikkapelle in Vohwinkel

Musikkapelle in Vohwinkel.

Die Gruppe befand sich vor dem Haus, das an der
heutigen Gebhardtstraße Ecke Gräfrather Straße steht.
Vermutlich war es ein Schützenumzug. Der Schützenkönig wurde,
noch bis in die 1950er Jahre, mit Musik von zu Hause abgeholt.




Alte Ortsnamen

Die Gelegenheit aber hier ist günstig, auf die   a l t e n   O r t s n a m e n   näher einzugehen und an ihnen Land und Leute alter Zeit um Vohwinkel herum zu schildern. Wir setzen deshalb einen Vortrag her, der zu dieser Sache an den Heimattagen im Juli 1925 gehalten wurde.

. . . . . Was nun heute in und um Vohwinkel wahrzunehmen, in Herz und Geist aufzunehmen ist, das darzustellen wäre für Sie sicherlich langweilig; wie all das vormals, einstmals gewesen, das wäre schon packender. Ich will Ihnen das, wie es früher war, heute zu schildern versuchen, hoffend, Sie zum Vergleich anzuregen mit dem, wie es heute ist, um auf diese Weise Ihnen das Heute lieb und wert zu machen.

Gelegentlich der Feier des 25-jährigen Bestehens der selbstständigen Gemeinde Vohwinkel am 5. Juli 1913 hat unser Mitbürger, Herr Muthmann, folgendes zur festfeiernden Menge in diesen selben Räumen des Deutschen Kaisers gesprochen:
"Herr Dr. Schirp hat Ihnen soeben von alten geschichtlichen Zeiten erzählt. Ich möchte noch viel weiter zurückgehen auf das Jahr 113 v. Chr. Geburt. Wie mag es damals in Vohwinkel ausgesehen haben ? ! - Im Kuhler Busch hauste der Höhlenbär, auf der Tesch brüllte der Urstier, über die Kluse trabten die Auerochsen. Ein großer Sumpf der Flußniederung zog sich von Buchenhofen zur Flieth hin. In der klaren Wupper schwammen Fischotter und Biber. Wald bedeckte die Hügel. Vögelein sangen im Holz. Wo es versteckte Talwinkel gab, lebten die Füchse. Auch Hase und Dachs gesellten sich zu ihnen. Weidmannslust, Wild und Fisch und Biber zu jagen."
So vom Jahre 113 Herr Muthmann und meine ergänzende Phantasie. -

Doch wir wollen uns auf den Boden der Wirklichkeit stellen. Nichts ist dazu geeigneter als die Karte. Ich habe eine zuverlässige Karte aufgefunden, die des Ambtes Solingen um 1715 nach H. Ph. Ploennies. So gehen wir nur 210 Jahre zurück, erhalten aber Wahrheit. Im Jahre 1715 führte uns der Hauptweg von Sonnborn her nach Vohwinkels Gegend am Thurn vorbei zur Grotenbeck, kurz vor Grotenbeck ein Bächlein überschreitend, das bald danach in das Knie der Wupper floß. Ich möchte dem Bächlein nicht Unrecht tun. Bringe ich es mit dem Namen der Siedlung in Verbindung, so ist es kein Bächlein mehr, es ist eine "grote beek", - ein großer Bach. Die topographische Karte des Churpfälzischen Wasserbaumeisters Wiebeking von 1790 erweist, daß der große Bach von Krutscheid herabgeflossen kam, Kirschsiepen streifend. Wer von Ihnen weiß, wo Krutscheid einst gelegen, wird zugeben, daß an dem Ort ein scheid, d.h. eine Scheidung, noch klarer, eine Wasserscheide gewesen war. Andere Bächlein flossen nach zur Linden hinab, der Düssel zu. Ob bei der genannten Wasserscheide ein wüster Krautacker oder ein gepflegtes Gemüsefeld gewesen war, mag dahingestellt bleiben. Krutscheid ist hin, ist 1903 von der Eisenbahn verschlungen worden. Kirschsiepen, unsere heutige Wilhelmstraße und Umgegend, zeigt ganz klar die Anwesenheit des "siepen", des Bächleins, das von vielen wilden Kirschbäumen einst umstanden war. -


Im Kirschsiepen in Vohwinkel um 1906

Im Kirschsiepen in Vohwinkel auf einer Postkarte von 1906.

Die Carolinenstraße in der Bildmitte heißt ab 1935 Rembrandtstraße.
Die Emilstraße, vor den Häusern rechts abzweigend, wurde im Jahr
1935 ebenfalls umbenannt und heißt seitdem Im Kirschsiepen.
Die im Text erwähnte Wilhelmstraße heißt seit 1935 Spitzwegstraße.



Jener große Bach erhielt, wie Wiebekings Karte dartut, zwei Zuflüßchen, das eine kam von Siegersbusch herunter, umfloß fur-winkel, ging durch die Kuhle und den Broch und vereinigte sich hinter Grotenbeck mit dem großen Bach. Das andere Zuflüßchen kam von Haus Lüntenbeck her und floß in fast gerader Richtung durch die Flieth in den großen Bach. Ob Lüntenbeck heißen mag: Linden umsäumter Bach ? - O wie poetisch wäre diese Deutung !

Meinen bisherigen Ausführungen möchte ich noch eine kleine Ergänzung hinzufügen. An dem großen Bach war auch noch Aue, vor Kirschsiepen, und ein Marienborn, unterhalb Kirschsiepen gelegen, Siedelungen, die heute Erinnerung sind. Noch 1850 waren sie vorhanden, eine Skizze aus den Schulakten erweist dies. Aue wird von Aa abgeleitet, soll eine feuchte Niederung sein. Herzerfrischend klingt Marienborn, der Skizze von 1850 nach gelegen, wo heute etwa der Stationsgarten beginnt. Auch der Marienbronnen ist fort. Ebenso fort ist draußen, vor dem Haaner Tor die den Leib kühlende Badeanstalt Porthen. Noch rinnt unter dem abmontierten Eisenbahndamm her ein klares Wässerlein. Wer aber denkt daran, die Badeanstalt wiederherzustellen? Ist der Name Porthen überhaupt richtig? So wie er geschrieben ist, mit r, ist er unerklärbar. Lassen wir aber das r weg, so heißt er Pothen und kann alsdann durch potbrunnen, Ziehbrunnen erläutert werden und würde zur Landbeschaffenheit noch heute passen. Andere weisen auf poten, pflanzen, hin und meinen, es wäre ein bepflanztes Feld gewesen, wo Pflanzen für andere Gärten gezogen wurden. -

Wir kehren zum großen Bach zurück. Hinter Grotenbeck stehen wir am Scheideweg, insofern sich der Weg dort spaltet: geradeaus westwärts, dem groten-beek hinauf folgend vorbei an Bruch, Kirschsiepen, Krutscheid nach zur Linden wo wieder Wegteilung nach Birschels (Polnische Mütze), um den Kinderbusch herum nach Bolthausen eintritt. Wir wenden uns jedoch von Grotenbeck direkt südwärts. Es gilt zu steigen. Hügel, damals nocken, nöckel, geheißen, und Höhen vor uns. Sie erkennen das noch heute vorhandene Nocken und Dasnöckel. Immer geradeaus nach Süden würden wir nun an einer Wasserscheide (Schieten) vorüber gleich in ein Wäldchen, Klostereiche genannt und so sich selbst erklärend, gelangen und dahinter nach Gräfrath. Aber, woher kommt der Weg, den wir rechts von Dasnöckel aus der Tiefe her erspähen? Wohin führt der andere Weg, der westwärts abbiegt? Der letzte ist bald erraten und wird von den Bewohnern Dasnöckels als richtig bezeichnet, westwärts steigt es noch ein wenig an, und man ist dann auf der Höhe. Rauh ist es dort oben (Rauhenhöhe). Schafe weiden auf dem kargen Boden (Schäfershöhe). Der Siedler Engelbert (Engelshöhe) treibt da sein Tagewerk. Noch weiter auf der Höhe, zu dem schon genannten Bolthausen.

Uns reizt bei Dasnöckel der Weg in die Tiefe. Anheimelnd lugt da aus dem Busch ein Gehöft heraus. Näher gelangend, fallen uns Wassergräser auf, Binsen. Damals hießen sie bese und biese. Wir befinden uns an der Bies. Wohltuend berührt der allseitig grüne Anblick. Überrascht halten wir plötzlich, denn Rodland statt Busch liegt vor uns. Ein Stück davon ist schon umgebrochen, Braken, damit zum Ackerland bestimmt. Ein anderes großes Stück liegt schon abgestämmt da, Rottscheidt. Was ist dort aber für ein größeres Anwesen? Man nennt es uns Stackenberg, und wir sinnen, ob wir diesen Namen mit - stock - in Verbindung setzen dürfen. Stackenberg - Stockenberg, wie es heute bei Remscheid - Stöckenberg bei Solingen gibt. Alsdann würde es mit Baumstumpf gleichzusetzen sein. Stackenberg wäre der Berg, auf dem die Reste der gefällten Baumriesen gen Himmel ragen. Stimmt dies? Oder ist Stackenberg die Stelle in den Waldbergen gewesen, wo die Bewohner Stacken - Stangen - für die beliebten Stackenbuhren (Stangenbohnen) oder auch für die Zäune ihrer Kuhweide geholt hatten? Tiefersteigend kreuzen wir die Straße von Grotenbeck her und den großen Bach. Ein Wirtshaus ladet zur Rast. An der Lene lag es (heute am Ende der Gebhard'schen Fabrik).

Kohlentreiber, die auf der Kohlstraße herangekommen waren, ruhen aus, die mit den Kohlenbürden bepackten Pferde fressen und ruhen ebenfalls. Lenen sind die Schieferplatten, mit denen Dächer und Wände der bergischen Häuser benagelt werden. Ob an der Stelle Lenen hergestellt oder nur abgeladen wurden, ist nicht feststellbar. Auch will niemand mehr den Namen kennen, trotzdem er noch im Kataster 1833 und auf der Schulskizze von 1850 deutlich verzeichnet ist. Aufwärts steigt der Weg. Wir zaudern. Wieder empor? Doch! Links unten wie versteckt im Winkel, gut für Füchse, unser Heimathof vouinkel, Hasnacken auf halber Höhe, rechts eine nasse Rodung, Nathrath, oben Tesche. Zur Deutung versuchen wir es bei Tesche mit einem anklingenden Wort, das sich vielfach auf Karten vorfindet, mit Tösch. Wir setzen es gleich Tüschen, wie es als Wort und Ort heute noch oben bei Velbert nahe am Plätzchen liegt. Tüschen, Tösch, Tesch, Tesche, hieße alsdann eine erhöhte Gegend, ein Bergrücken, der "zwischen" dem Zusammenfluß von zwei Bächlein gelegen war. Kann das auf unsere Tesche zustimmen? Nehmen wir das Bächlein, das bei Hasnacken zum groten-beek und auf der Gegenseite das andere, das aus Siegersbusch zur Furth (Hahnenfurth) hinabrinnt, so liegt Tesche zwischen beiden und wäre nun in die Gegend eingestimmt. Bei Wieden erfreuen uns die saftigen Weiden. Schade, daß sich so schnell das Sandfeld anschließt. Auch Saurenhaus empfiehlt sich recht wenig, denn (sor, sur - trocken) wo es trocken ist, gedeiht wenig oder gar keine Frucht. Steinberg meiden wir gleichfalls, es ist uns zur näheren Forschung zu steinig, und es liegt auch zu abseits. Wir sind müde, sehnen uns heim. Der Weg durch die Varresbeck bringt uns angenehm nach Sonnborn zurück. -

Fluß und Land, Tiefen, Hügel und Höhen, Rodung und Busch, Einsamkeit und Siedlung haben wir eben genossen. Haben wir nichts versäumt? Die Wälder, das Oster- oder Ostholz oder auch das Holz, das der holden Frühlingsgöttin Ostera geweiht ist, den Kinderbusch, aus dem der Storch vormals die Kinder hergeholt hat, die den Vohwinkeler Müttern beschert werden sollten, die Klostereichen, den Grünewald durchstreifen wir an einem anderen Tag. Wir werden uns auch einmal in das Frankenholz nördlich von Steinberg vertiefen oder über Hammerstein den Mühlenpfad entlang nach Bollenheide und zu den Steeger Eichen wandern bis Buchenhofen (buckerhofen, bockhofen).

Heute soll hier das Ende sein . . . .




Text aus:
Geschichte der Stadt Vohwinkel
Herausgegeben im Auftrag der Stadtverwaltung von Schulrat Ziegler
Städtischer Verlag
Buchdruckerei Hüster & Vogel, Vohwinkel
Vohwinkel, August 1929


 

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